Investment Board

 

Das EAM Investment Board ist ein strukturierter, kontinuierlicher und zeitnaher Dialog

mit und unter den Nachhaltigkeits-Research-Agenturen. Das Board bietet die Möglichkeit

eines Abstimmungsprozesses von eigenem mit externem Research. Diskutiert werden

auch Details zu Ratings, die ESG-Einschätzung der IPOs neuer Emittenten und Nachhaltig-

keitsthemen im Allgemeinen.

 

Luxustextilien und -schmuck

 

2013 stellten wir uns in einer Ausgabe des „ERSTE RESPONSIBLE RETURN – The ESG Letter“ die Frage, ob tiefe

Preise in der Textilindustrie zu schlechten Nachhaltigkeitsstandards in der Produktion führen. Wir kamen zu

dem Schluss, dass Nachhaltigkeit durch die zahlreichen Outsourcing-Aktivitäten der Textilbranche behindert

und somit damals klein geschrieben wurde. In der vorliegenden Ausgabe unseres Magazins drehen wir den

Spieß um und fragen, ob Luxushersteller aus der Textil- und Schmuckindustrie einen Teil ihrer hohen Margen

für mehr Nachhaltigkeit aufwenden.

„Die besten Dinge

im Leben kosten nichts.

Die zweitbesten sind

sehr teuer.“

Coco Chanel

Trotz ausführlicher Gespräche mit unseren Research-Partnern können wir aufgrund des massiven Informa-

tionsmangels, der bei Luxusunternehmen in Sachen ESG vorliegt, keine eindeutige Antwort auf die oben

gestellte Frage geben. Die ESG-Risiken sind jedoch bei Luxusherstellern aufgrund zumeist europäischer

Produktionsstätten geringer als bei Unternehmen, die in Entwicklungsländern produzieren. Das liegt an

besseren Arbeitsbedingungen und -kontrollen in OECD-Ländern, wobei einer unserer Research-Partner

aufgrund der fehlenden Transparenz die Konzentration der Produktionsstätten in OECD-Ländern anzweifelte.

Punkto „Verwendung von Chemikalien“ unterscheiden sich die Unternehmen vor allem durch die Umweltver-

träglichkeit der von ihnen verwendeten Materialien. Laut REACH* werden bei Lederprodukten 15–18 und in der

Kleidungsproduktion 25–30 gefährliche Stoffe verwendet. Besonders in Europa steigt das Bewusstsein gegenüber

verwendeten Chemikalien, was zu neuen Richtlinien führt. Eines der Hauptprobleme scheint bei Luxusunter-

nehmen die Beschaffung von Ressourcen wie Baumwolle, Edelmetalle, Leder, etc. zu sein, da es hier weniger

Vorschriften gibt.

 

Im Großen und Ganzen bergen Luxusunternehmen weniger Nachhaltigkeitsrisiken als herkömmliche Kleidungs-

und Schmuckhersteller. Dies beruht auf der geografischen Lage der Produktionsstätten und Zulieferer von

Rohmaterialien sowie einer geringeren Anzahl ausgelagerter Prozessen. Die hohe Intransparenz der Produktions-

bedingungen sollte Investoren jedoch beunruhigen, denn Luxusartikel leben vom Marketing und sind somit einem

hohen Reputationsrisiko ausgesetzt.

 

Interessanterweise rücken oft nur Low-Budget-Hersteller ins Rampenlicht von NGOs, die die Arbeitsbedingungen

und Umweltstandards von Produzenten hinterfragen. Hingegen bleiben Luxushersteller meist verschont, da ihr

Gebaren sowohl von Seiten der NGOs als auch von Seiten ihrer Kunden kaum hinterfragt wird.

 

Status quo:

Die fehlende Transparenz macht sich in den EAM-Ratings bemerkbar. Zwar verletzt keines der Luxusunter-

nehmen ein Ausschlusskriterium, jedoch erhalten alle Luxushersteller (bis auf Tiffany & Co.) ein Rating unter

C- und sind somit nicht investierbar.

 

* REACH steht für „Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“ und bezeichnet eine Chemikalienverordnung der Europäischen Union.

 

(Richard Boulanger)

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